|| From Desert Floors To Mountain Tops ||

GR221 Serra de Tramuntana// von Port d´Andratx nach Pollenca

GR221 Weitwanderweg von  Port d´Andratx nach Pollenca, ca 150km länge, ca 4500hm, 8 Tagesetappen


1. Tag, 26.04.2010:

Ich lande planmäßig am Flughafen bei Palma de Mallorca um 16:00 Uhr. Das Wetter ist perfekt, da ich heute noch die erste Etappe schaffen möchte verschwende ich keine Zeit mit suchen des richtigen Busses sondern steige in eines der vielen Taxis vor dem Flughafen. Dem Fahrer teile ich mit das ich gerne zum Hotel „Mon Port“ in Port d´Andratx möchte und ob er freundlicherweise unterwegs stehenbleiben kann, dass ich Spiritus (Brennstoff) kaufen kann. Alles kein Problem, in einem Supermarkt kaufe ich 750ml Spiritus. 300ml zuviel wie sich nach einigen Tagen zeigte aber was solls.

Nach gut einer halben Stunde bin ich auch am Hotel Mont Port angelangt. Ich bereite meinen Rucksack nach dem Flug auf die Tour vor und Fülle den Spiritus in die mitgebrachte Brennstoffflasche um. Mein Rucksack fühlt sich trotz Brennstoff, und 2 L Wasser immer noch leicht an. Ich kann es kaum erwarten, endlich aus der Zivilisation rauszukommen und die ersten Meter auf dem Trail zu laufen. Doch ich muss mich noch etwas gedulden, denn die Wegbeschreibung aus meinem Buch ist nicht wirklich klar zu deuten für mich. Ich laufe also in die Richtung die ich für richtig halte durch Baustellengebiet. Die Straße schlängelt sich steil den Berg hinauf . Sicherheitshalber frage ich dann doch einen „einheimischen“ er antwortet auf meine Frage mit amerikansichem Akzent: „ you mean the small trail up to sant elm?“ „it is right in front of you, behind that red plastic“ damit meinte er eine Baustellenabsperrung und siehe da tatsächlich verläuft dahinter ein ca 40cm breiter Waldweg in die Berge. Diesen hätte ich so wohl nie gefunden. Ich bedanke mich freundlich und verschwinde hinter der Absperrung. Der schmale Weg verläuft einige hundert Meter den Berg hinauf und mündet dann in einen breitern Fahrweg. Zum ersten Mal erblicke ich die herrliche Küstenlandschaft und das Meer auf der anderen Seite. Ich bin guter Dinge und freue mich eigentlich nur endlich hier zu sein.

Über den Coll des Vent geht es weiter zum Pas Vermell von dem ich die Insel Sa Dragonera erblicke. Ich verweile und genieße den Ausblick. Unterhalb ist auch schon das Dorf Sant Elm zu erkennen. Ich bin am richtigen Weg, ein positives Gefühl.

Vom Pas Vermell verläuft ein wunderschön rot gefärbter  Weg in richtung Sant Elm. Die Badegäste sind zum Glück noch nicht da, mir kommt es vor als wäre ich der einzige Mensch an diesem Ort. Im Supermarkt steht zumindest jemand hinter der Kassa, ich genieße ein kaltes San Miguel und fülle meine Wasservorräte auf. Mein nächstes Ziel heißt La Trapa, der Ort an dem ich auch die erste Nacht verbringen werde.

Irgendwo zwischen Sant Elm und La Trapa erwische ich aber eine falsche Abzweigung die mich nach vielen Kilometern an die Küste führt. Ich laufe immer weiter bis sich der Weg verliehrt. Quer Feld ein steige ich weiter entlang der Küste in der Hoffnung irgendwelche Steinmauern vom  alten Kloster La Trapa zu sehen. So war es dann auch ca 150 hm ober mir verläuft eine solche. Umdrehen kommt nicht mehr in Frage ich setze den Weg über einige Felsvorsprünge fort und komme ausser Atem von der Kletterei um ca 21:00 in La Trapa an. Ich nutze die untergehende Sonne hinter Sa Dragonera um mein Camp zu errichten. Ich stelle Wasser für Tee und Essen auf. Es weht leichter angenehmer Wind, kurz nach 22:00 schlafe ich zufrieden ein.

2. Tag, 27.05.2010:

Ich erwache gut ausgeschlafen um sieben Uhr, am Horizont lässt sich bereits erkennen, dass das Wetter auch heute gut wird. Ich verwende die letzten 400ml für Kaffee und Milchreis mit getrockneten Erdbeeren. Nach gut einer Stunde bin ich aufbruchbereit, lasse aber den gepackten Rucksack vor Ort und begebe mich in die Ruinen von La Trapa in der Hoffnung dort Wasser für die nächste Etappe zu finden. Leider vergebens, ich endtecke dafür ein anderes Biwak, dort wird aber noch geschlafen. Ich bin also doch nicht ganz allein unterwegs, worüber ich auch sehr froh bin wie sich einen Tag später herausgestellte.

Ich mache mich also ohne Wasser auf den Weg in Richtung dem Aussichtspunkt Morro d´en Fabioler. Von hier aus geht es gut 400m vertikal ins Meer. Der Weg hier verläuft relativ eindeutig, ich biege am großen Steinhaufen dann nach links ab um in die Region von Ses Basses zu gelangen. Hier unterlauft mir in der Wegfindung ein Fehler der mich beinahe die Tour kostet. Anstatt dem Hauptweg zu folgen steige ich in Richtung dem Ort S´Arraco. Sogar ein einfacher Blick auf meine skizzenhafte Karte hätte mich wohl davon abgehalten. Ich war mir aber irgendwie sicher auf dem richtigen Weg zu sein. 3 Stunden später war ich dann sicher, dass dies nicht der Fall war. Im Ort angekommen überlege ich hin und her was ich wohl jetzt am besten machen soll, den gleichen Weg zurück zu gehen konnte ich mir in diesem Moment nicht vorstellen. Ich überlege einen Bus zu nehmen und bis an das Etappenende zu fahren. Dies war aber nicht möglich da die Hauptstrasse nach Estellencs (MA 10) gesperrt war. Ich ziehe mich in den schattigen Wald zurück, und gönne meinen Beinen etwas Entspannung. Ich esse und überlege. Gestärkt und ausgeruht sieht die Welt schon wieder anders aus, die Gedanken die Tour hinzuschmeißen verwerfe ich ganz schnell wieder. Nach gut einer halben Stunde beschließe ich mich doch wieder in Richtung des Trails zu bewegen, jedoch möchte ich nicht wieder den selben nehmen. Ich gehe hinter dem Dorf entlang und suche nach einem neuen Weg der mich in die Berge führt. Ich folge einem schmalen Pfad dieser verliehrt sich aber wieder mal irgendwo in den Bäumen. Von nun an geht es gute 500hm den Hügel hinauf ohne Weg durch hohes Gras und irgendwelchen Dornen. Diesen schenke ich aber wenig Beachtung und gehe immer weiter Bergauf. Nach ca 2 Stunden vom Rastplatz komme ich oben an und laufe den Kamm entlang. Ich erkenne den Weg wieder und folge ihm. Nach einer weiteren Stunde bin ich wieder in Ses Basses, an der Kreuzung, an der ich mir vieles Ersparen hätte können. Von nun an gibt es nur einen Weg ich folge ihm bis ich an die MA 10 komme. Ich folge dieser laut meiner Wegbeschreibung Richtung links, über die Baustelle weswegen die Straße gesperrt war. Nach einigen Kilometern entlang der Hauptstraße biege sollte es bei Kilometer 104,4 nach rechts in ein kleines Tal gehen. Ich komme aber erst gut einen Kilometer zu spät darauf das Kilometer 104,4 nicht zwischen Kilometer 104 und 105 liegt sondern einen früher. Ich bin seit ca 10 Stunden unterwegs, mir kommt vor als würde der Asphalt unter mir sich in alle Richtungen bewegen.

Letztendlich finde ich dann die Abzweigung und bin sehr froh wieder vom Asphalt weg zu sein. Ich folge den Steinmänchen in Richtung des Pas Gran. Über schroffe Felsplatten geht es immer weiter Bergauf. Hinter mir geht bereits die Sonne unter ich halte nur mehr nach einem geraden Plätzchen ausschau, an dem ich mich endlich hinlegen und  schlafen kann. Es geht noch über eine Leiter und einen Zaun dann finde ich einen geeigneten Platz. Ich nutze das letzte Licht um mein Biwak aufzubauen, gleichzeitig werfe ich den Kocher an und bereite Wasser für mein Essen und Tee vor. Der Wind weht etwas stärker legt sich aber in der Nacht. Nach insgesammt 14 Stunden fallen meine Augen von selbst zu. Gute Nacht.

3. Tag, 28.04.2010, erster Teil:

Ich erwache recht früh um ca 6:30. Da es sich um ein Privatgrundstück handelt auf dem ich geschlafen habe, beschließe ich um nicht unnötig aufzufallen so schnell wie möglich zusammenzupacken und erst weiter oben zu frühstücken. Später stellt sich heraus, dass dies nicht notwendig gewesen wäre da ich hier mit einigen Weidetieren allein bin. Laut meiner Wegbeschreibung ist mein Ziel der Berg S´Esclop ich folge dem gut ausgetretenen, schmalen und steinigen nach oben ansteigenden Pfad. Ich bin noch nicht richtig wach folge einfach den Steinmänchen gut eine dreiviertelstunde lang. Ich komme an einen Pass, dem Caseta de n´Arago wie ich meiner Beschreibung entnehme. Hier sind Spuren von alten Behausungen und Terassenartigen Feldern zu sehen. An einem Lagerplatz mit Feuerstelle werfe ich den Spirituskocher an, ich bereite Kaffee und Wasser für Müsli vor. Ich sitze direkt vor der Felswand des S´Esclop, mir ist aber unklar ob links oder rechts. Ich tendiere links zu gehen, mein Kompass würde dem auch zustimmen. Ich will aber auf keinen Fall nochmal ein Risiko eingehen mit verlaufen und beschließe daher die restlichen ca 150hm ohne Gepäck auf den S´Esclop zu steigen. Während ich dem schmalen Steig entlang klettere esse ich mein Müsli aus der Tupperschüssel.  Oben angekommen geht es in alle Richtungen. Ich werfe einen Blick nach Osten und erkenne unterhalb tatsächlich die 2 Wege die in der Wegbeschreibung vorkommen. Ich bin mir relativ sicher richtig zu sein und steige wieder ab. Unten angekommen trinke ich den letzten mittlerweile kaltgewordenen Kaffee fertig und packe meinen Kocher zusammen. Da ich schon oben war beschließe ich mit dem Gepäck links am Fusse des Berges entlangzugehen. An den Steinmänchen und Zwergpalmen hier erkenne ich im Wind wehende Absperrbänder die einen Weg markieren sollen, ich nehem diese genauer unter die Lupe und erkenne das ich mich auf einem Streckenabschnitt des Ultra Traillaufs Serra de Tramuntana befinde. Im Gedanken stelle ich mir vor den Trail ohne Gepäck zu laufen. Eine schmerzvolle aber schöne Vorstellung. Ich bin mir zumindest sicher auf dem richtigen Weg nach Estellences zu sein. Es geht lange den Berg hinunter, durch Zwergpalmen und Dissgras. An einer Gabelung treffe ich auf den ersten offizellen Wegweiser auf dem „GR221 Estellences“ geschrieben steht. Ich treffe auf einige Tageswanderer. Die letzten Kilometer folge ich der MA-10 nach Estellences. Diese ist auf Grund der Sperre wenig befahren.

Mein Rucksackgewicht drückt mir so in die Schlüsselbeine das ich bereits mit dem Gedanken spiele mein Fotoequipment loszuwerden. Ich hatte schon gar keine Lust mehr Bilder mit der schweren DSRL zu schießen, Wechselobjektiv und Stativ sowie Zubehör waren sowieso nur mehr unnötiger Ballast in meinen Augen. In Estellences angekommen mache ich erst mal Pause auf einem angenehm schattigen Plätzchen gegenüber eines Greißlerladens. Ich kaufe mir kalte Getränke und Donuts mit Zuckerglasur. Ich ziehe meine Schuhe + Socken aus um meine Füße zu kühlen. Dabei entdecke ich 4 Blasen an jeweils den gleichen Stellen auf beiden Beinen. Die müssen wohl vom Vortagsmarsch sein. Ich versorge Sie mit Compeed und Leukoplast. Etwas weiter rechts von mir sitzen ebenfalls pausierend 2 Wanderer. Anhand  der Größe ihrer Rucksäcke schließe ich, dass sie vielleicht das selbe Vorhaben wie ich verfolgen. Ich nähere mich ihnen und Frage, nach einem Postamt um meine Fotoausrüstung mit der Post heim schicken zu können. Die beiden  sind mir auf anhieb Sympathisch, ich erkundige mich nach ihren Zielen und beschließe daraufhin mich ihnen anzuschließen. Mit dem Postamt ist es aber auch heute nichts geworden. Wir machen uns also ab jetzt zu dritt auf den Weg nach Esporles, einem weiteren Ort am GR221. Aus einem der Gespräche unterwegs ergibt sich das die beiden, Uwe und Krista ebenfalls am selben Tag wie ich in La Trapa Biwakiert haben. Wir umgehen die Finca Es Rafal und den gesperrten Wegteil über die Ausweichstrecke Planicia. Der Weg verläuft von relativ einfach und eben. Ich konzentriere mich eigentlich nur mehr darauf das Tempo zu halten und auf meine schmerzenden Füße…

3. Tag, 28.04.2010, zweiter Teil:

Der weitere Abschnitt dieser Etappe verläuft unspektakulär und relativ Eben mit nur einem richtigen Anstieg der dafür schön in der Sonne liegt. Am späten Nachmittag kommen wir in Esporles an. Ich hab beschlossen einen Tag Auszeit zu nehmen und beschließe gleich am Ortsanfang in das erste Hotel (auch das einzige) zu gehen um nach einem Zimmer zu fragen. Das tat ich dann auch. Der Herr an der Rezeption meinte das ein Zimmer 90,- Euro pro Nacht kostet. Ich frage nochmal um sicher zu gehen richtig gehört zu haben. Er wiederholt „ninety Euros per night“. Ich frage ob das Zimmer einen Whirlpool hat, grinse drehe mich um und gehe.

Ich treffe wieder auf Krista und Uwe. Wir erfrischen uns mit kalten Getränken in einem Café. Es wird langsam dunkel, da mit der Übernachtung nichts wird verlassen wir den Ort natürlich in Richtung der nächsten Etappe, um einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Dies stellt sich als nicht einfach heraus da das Gebiet sehr bewohnt ist. Wir laufen noch ca 1:30 den Berg hoch, dem Coll de sa Basseta. Vor dem letzten Steilstück finden wir eine schöne Köhlerfläche, dort liegt sogar Stroh und eine Feuerstelle gibt es auch. Wir errichten unser Camp, am Lagerfeuer wird noch gegessen und Rotwein getrunken. Ein schöner Ausklang eines langen Tages. Insgesamt war ich 12 Stunden unterwegs.

4. Tag, 29.04.2010:

Wir erwachen in etwa um 8 Uhr, lassen die vom Tau benetzten Sachen in der immer stärker werdenen Sonne trocknen und frühstücken. Eine Stunde später geht es dann weiter den Berg hoch in Richtung Valdemossa. Ich werde schon vorgewarnt das es dort ziemlich touristisch zugeht, die chancen daher auch sehr hoch stehen ein Postamt zu erwischen. Dem war dann auch so zumindest was den Tourismus angeht. Der Ort ist voll von Ausflüglern die mit Bussen ankommen und Radfahrern. Leider aber nicht mit der Post. Ich entschließe mich mit dem Bus nach Palma zu fahren und dort auch einen day- off zu halten. Uwe gibt mir freundlicherweise einen Tip für ein Hostel in der Straße Apuntadores. Wir tauschen Mailadressen aus, ich verabschiede mich und begebe mich auf den Weg zum Bus. Ein Ticket um 1,50 und 30 minuten später stehe ich am Busterminal in Palma. Ich nehme einen weiteren zur nahegelegenen Station an der sich das Hostel befinden soll. Es verläuft alles reibungslos, ich checke im Hostel für eine Nacht ein. Kaum im Zimmer angekommen springe ich unter die Dusche. Ein gutes Gefühl. Das Postamt hier hat bis 20:00 offen und ist gleich auf der anderen Straßenseite. Ich fülle das Formular für mein Packet aus und erkläre dem Postbeamten der nicht wirklich englisch spricht und ich noch weniger spanisch was ich will, ich habe dennoch ein gutes Gefühl als ich im das Packet im Wert eines Gebrauchtwagens überreiche.

Ich erkunde zufrieden die Stadt, in einem Restaurant bestelle ich Pizza und gleich danach Spaghetti. Ich bin selbst recht erstaunt darüber. Der Abend in der Stadt und die Nacht im Hostel verlaufen gut, am nächsten morgen mache ich mich wieder auf den Weg zum Busterminal um wieder nach Valdemossa zu kommen. Von dort aus geht es mit einem Basis gewicht von in etwa 4,5 Kilo weiter auf die nächste Etappe, nach Soller!

Unweit vom Busbahnhof finde ich relativ leicht den Einstieg zum Trail, er befindet sich beim Sportplatz links die Straße hinauf. Seltsamerweiße ist hier der GR221 wiedermal nicht ausgschildert. Ich finde mich aber anhand der Wegbeschreibungen gut zurecht. Der Weg und die Etappe ansich ist ein wirkliches highlight, den Weg über Cingles de son Rullan wäre ich am liebsten gleich 2 mal gegangen. Irgendwo unterwegs frage ich einen Amerikaner ob ich richtig bin, der weiß aber trotz Karte auch nicht genau wo er ist, ich bin dennoch zuversichtlich und folge weiter dem Weg.

Nach einigen 3-4 Stunden komme ich nach Deia, hier befindet sich das Refugio Can Boi. Ich lege eine ca 20 minütige Pause ein. Der Weg ist ab der Unterkunft ausgeschildert und geht anfangs quer durch den Ort. Nach ca 2 Stunden komme ich am Refugio de Muleta vor Port de Soller an. Unweit von dort suche ich mir ein schönes plätzchen für die Nacht.

5. Tag, 30.04.2010:

Um 7:30 krieche ich aus dem Schlafsack, der Himmel ist wolkenverhangen es regnet aber nicht. Mit dem letzten Wasserrest wird Frühstück gekocht. Ich lasse meine Sachen ein wenig auslüften und trocknen, packe dann zusammen um mich auf zur nächsten Etappe zu machen, heute soll es nach Soller über den Cuber Stausee zur Refuge Tossals Verds gehen. Ich mache noch einen Abstecher nach Mulletta um meine Wasserbeutel aufzufüllen. Der Weg bis Soller verläuft einfach, es beginnt stellenweise zu regnen, teilweise auch stark. Zum ersten Mal kommt das Regengewand zum Einsatz. In Soller angekommen regnet es immer noch, es ist aber trotzdem einiges los in dem schönen Städtchen. Ich liege gut in der Zeit und beschließe ein wenig unter dem Regendach eines Cafes zu verweilen und ein zweites Frühstück einzuschieben. Die Schokoladecroissants in der Vitrine sehen einfach zu gut aus.  Ausserdem brauche ich neue Compeeds aus der Apotheke. Weiter geht es durch Soller nach Biniaraix von dort aus auf den Puig de l´Ofre. Der Weg verläuft sehr schön stufenartig angelegt den Berg hinauf. Daneben fließt ein Bach in steilen Schluchten. Noch ist es sonnig, der Gipfel hängt jedoch in einer dichten Wolke. Es beginnt wieder stellenweise zu regnen. Ich erreiche schließlich den Pass und erkenne in der Ferne bereits den Cuber Stausee, das Wetter wird wieder besser. Ich bin seit ca 5 Stunden unterwegs, es ist Zeit für eine Pause. Ich schöpfe Wasser aus dem türkisfarbenen See und lasse mich etwas oberhalb von diesem nieder. Nach einem Kaffee begebe ich mich auf den letzten Abschnitt für heute, nach Tossals Verds. Der Weg beginnt anfangs recht eintönig neben einer oben offenen Wasserleitung aus Beton, wird dann aber noch richtig schön im Wald verlaufend. Der Himmel sieht bedrohlich dunkel aus. Ich hab leichte bedenken in ein Unwetter zu geraten und laufe deshalb. Dem leichten Rucksack sei dank. Tossals Verds liegt wunderschön von Bergen umgeben. Ich betrete das Refugio und frage nach einem Zimmer. Es ist noch Platz für die Nacht frei.

6. Tag, 01.05.2010:

Die Nacht war so, wie Nächte in Mehrbettzimmern eben sind, nach dem Frühstück packe ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg nach Lluc, meinem vorletzten Etappenziel. Über den Font des Prat geht es weiter zum Coll des Prat einem Pass der in etwa auf 1200m liegt. Ich schließe mich einer Wandergruppe an, zusammen besteigen wir kurz vor dem Coll des Prat den Puig de Massanella der mit 1365m der höchste erwanderbare Gipfel Mallorcas ist. Über die Aufstiegsroute geht es auch wieder hinunter, wir sammeln unsere Rucksäcke ein die wir für den Aufstieg zurückgelassen haben. Vom Coll des Pratt geht es nur noch Bergab nach Lluc.

Dort angekommen begebe ich mich auf den Campingplatz, der angeblich der einzige auf Mallorca ist. Ich gehe den Platz ab, er ist nicht besonders einladend aber gut genug für eine Nacht wenn man keine Lust zum Suchen hat. Gratis ist er auch. Das Wetter ist nach wie vor gut, böiger Wind macht sich aber bemerkbar. Ich schlage mein Lager auf erkunde die Gegend sowie das Santuari de Lluc. Da es schon realtiv spät ist, sind die Touristenbusse schon abgefahren. Ich lasse den letzten sonnigen Abend bei Brot und Oliven ausklingen.

7. Tag, 02.05.2010:

Regen. Ich koche Wasser im Zelt, nach dem Frühstück drehe ich mich nochmal hinüber und hoffe auf Wetterbesserung. Ich schlafe nochmal gut 2 Stunden ein. Es wird aber nicht besser, der Regen hat zugenommen. Von der Anhöhe des Campingplatzes kommen schon Bäche runter. Ich packe alles irgendwie in den Rucksack, mein nasses Zelt kommt in den Rucksackliner. Nicht weit vom Campingplatz befindet sich das Refugio Son Amer auf einer leichten Anhöhe. Mir bleibt nichts anderes über als dieses aufzusuchen, dort meine Sachen zu trocknen und abzuwarten. Ich verbringe den Nachmittag und auch die darauffolgende Nacht im Refugio. Der Regen wird immer stärker, es wird von Unwettern im ganzen Land inkl. Schneefällen gesprochen.

8. Tag, 03.05.2010:

Die letzte Etappe nicht zu gehen kommt für mich nicht in Frage, daher verpacke ich alles so gut wie möglich Regendicht, meine Füsse stecke ich in Plasticksäcke bevor es in die Schuhe geht. Meine Sealskin Socken liegen natürlich daheim. Nach 30 Minuten hätte ich mir die Säcke sparen können, denn ich muss bis zu den Knien ins Wasser. Auf der Etappe begenet mir kein Mensch, hab ich auch nicht anders erwartet. Es passiert nicht viel ich achte auf den Weg um nich auf den klitschigen Steinen hinzufallen. Ich bewältige die Etappe die mit 4 Stunden 45 Minuten angebenen ist in 3:30. Die Etappe ist aber auch nicht besonders aufregend, die letzten Kilometer gehen flach und unspektakulär nach Pollenca. Der Regen lässt etwas nach und bin verwundert wie gut die Crane Ul Jacke eigentlich ist. Ich sehe mich etwas in Pollenca um, kaufe ein und lasse mich in einem Restaurant nieder. Dort kann ich meine Schuhe mit saugfähigem Papier ausstopfen und so innerhalb von einer Stunde trocknen.

Ich freue mich über die schlussendlich gelungene Tour, zufrieden steige ich in den Bus nach Palma um von dort aus auf den Flughafen zu kommen.

Fazit:

Die Tour war wunderschön, ich bin froh, dass ich sie durchgezogen habe und mich von niemandem davon abbringen ließ. Es gingen weder Hunde auf mich los, noch hat man auf mich geschossen. Es gab kein einziges Mal Probleme mit Grundbesitzern.

Diese Tour eignet sich meiner Meinung nach besonders gut um mit leichter Ausrüstung unterwegs zu sein. Meine Packliste habe ich voll ausgeschöpft wobei ich das nächste mal sicher mit weniger Essen und ohne DSLR in dieser Kategorie starten werde.

Raten würde ich auf jeden Fall zu einer 1:25000 Karte für den Südteil.

Detailierte Auskünfte und Wegbeschreibungen gebe ich gerne auf Anfrage.


16 responses

  1. RioLeichtsinn

    Klasse Bericht!
    Ich bin 2004 fast die selbe Strecke gelaufen und rieche förmlich die Luft.
    Blog sofort verlinkt.

    Besten Gruß, Rio

    1. June 2010 at 21:16

    • matthiaskodym

      Dankesehr! gegengelinkt!🙂

      2. June 2010 at 09:25

  2. Das ist ja mal richtig genial. Auf einer Insel die gegen einen zweifelhaften Ruf kämpft so eine grandiose Weitwanderung hinzulegen. Man sieht, Mallorca viel mehr zu bieten als Touristenmeilen.

    Außerdem kann man mal erkennen wie unterschiedlich Menschen sind. Die einen fliegen zum Trinkgelage nach Mallorca, andere für ein unverfälschtes Naturerlebnis.

    Tolle Bilder!

    Grüße
    Daniel

    3. June 2010 at 12:16

  3. matthiaskodym

    Vielen Dank Daniel!
    Die Serra de Tramuntana würde sich auch hervorragend zum laufen eignen, es gibt sogar einen Ultratraillauf dort im April! Eine Überlegung wert🙂

    3. June 2010 at 18:43

    • Ja, dachte ich mir auch schon. Das wär’ mal was für den späten Herbst oder das frühe Frühjahr.

      4. June 2010 at 13:22

  4. Pingback: Trekking und Wandern auf Mallorca auf dem GR221 durch das Tramuntana Gebirge -Walking away…

  5. Hab mich im September auch auf den Weg gemacht und bin den GR221 gewandert. Es hat sich echt gelohnt! Vielen dank für den tollen Bericht ansonsten hätte ich mir wahrscheinlich ein anderes Urlaubsziel gesucht🙂

    5. October 2010 at 13:53

  6. Isabel

    Hallo!
    Habe Deinen Bericht mit Spannung gelesen. Bislang habe ich mich nicht getraut, alleine zu wandern, aber ich werde mir nun im April Urlaub nehmen und die Strecke gehen. Ich hoffe, dass mir mein GPS hilft, mich nicht so sehr zu verlaufen. Ohne Deine Schilderungen hätte ich das vielleicht überflüssig gefunden, aber nun bin ich froh, dass ich es habe.
    Du hast ja fast immer im Biwack oder Zelt geschlafen; gab es denn an den einzelnen Etappen dennoch überall Fefugios? Ich überlege halt, ob ich dann auf ein Zelt verzichte.
    Danke für Deinen Bericht und ganz liebe Grüße

    Isabel

    26. October 2010 at 15:30

    • matthiaskodym

      Hi Isabel!
      Geh ruhig allein wandern du wirst es lieben nach ein paar Tagen!
      Nun zu deinen Fragen, wie ich schon geschrieben habe brauchst du für den südlichen Teil des GR221 eine Karte (1:25 000), zumindest würde ich diese empfehlen🙂
      Refugios findest du erst im central Teil ab dem Ort Port de Soller, vorher musst du biwakieren! Ist aber gar kein Problem es finden sich entlang des Weges und etwas abseits sehr schöne Plätze.
      Falls sich noch Fragen ergeben, nur her damit.

      Lg
      M.

      26. October 2010 at 15:48

      • Isabel

        Hey!😉
        Ich habe gesehen, dass es 3 Karten gibt und werde mir die anschaffen. Bislang habe ich nur längere Radreisen hinter mir und dabei habe ich mir den Routenverlauf auf den Karten fürs Navi als Track gezeichnet. Das dürfte ne Hilfe sein.
        Ich habe tatsächlich noch fragen:
        Was für nen Schlafsack hattest Du? Meiner hat nen Komfortbereich bis 2 Grad. Reicht das im April? Muss ich viele dickere Sachen einpacken?
        Außerdem gefällt mir Deine Isomatte, die ich auf den Fotos sah. Wo bekommt man die?
        LG ausm Ruhrpott

        Isabel

        26. October 2010 at 20:18

      • matthiaskodym

        Wie gesagt, die ersten beiden Teile. Den 3ten brauchst du nicht.
        Das ist eine Therm a Rest Neo Air in Gr. S ich kombiniere diese noch mit einer 0,5mm Schaumstoffmatte.

        27. October 2010 at 08:43

  7. Isabel

    Danke! für die Info! Ich habe ein Jack Wolfskin Gossamer Zelt, aber auch einen Biwacksack.
    Ist es ein Problem, wenn ich da ein Zelt aufschlage, oder gelten da andere “Verbote” sobald ich im Zelt schlafe?

    27. October 2010 at 09:17

    • matthiaskodym

      “stealth-camp” ist das code wort🙂
      mehr kann ich dazu nicht sagen!

      27. October 2010 at 09:48

  8. Isabel

    Danke, ich werds testen!😉

    27. October 2010 at 21:32

  9. Felix

    Hallo Matthias,

    es hat Spaß gemacht deinen Reisebericht zu lesen. In zwei Wochen will ich auch die GR221 laufen und habe noch die ein oder andere Frage. Zum einen wollte ich dich fragen wie die Wasserversorgung unterwegs ist (gibt es Brunnen, Quellwasser, Einkaufsmöglichkeiten) sowie die Möglichkeit um Nahrungsvorräte aufzufrischen. Zum anderen wollte ich dich nach einer Kartenempfehlung (1:25 000, aber welche?) fragen. Auch würde es mich interessieren wie kalt es nachts mitte Mai so werden kann (das allgemeine Mallorca Klima weicht ja vermutlich von dem in den Bergen etwas ab). Auf deinen Fotos habe ich gesehen, dass Du Fizan Trekkingstöcke hast. Könntest du zu deiner bisherigen Erfahrung damit etwas schreiben (insbesonderezur Stabilität).
    Viele Dank
    Felix

    26. April 2013 at 21:17

    • matthiaskodym

      Hallo Felix,
      Ich hatte nie probleme Wasser zu finden, alle Möglichkeiten die du aufgezählt hast sind eingetroffen.Das selbe gilt für Essen (2-3 Tage im Rucksack, sonst kommen ja wie man in Führern sehen kann immer wieder Dörfer wo man was kaufen kann bzw Refugios . In Mallorca ist es im Mai warm, ein Schlafsack bis an die +5°C Grenze sollte den Zweck erfüllen. Fizan ist ein guter Stock, hab sie sehr lange verwenden können. Es kommt natürlich darauf an wie schwer du bist und wie schwer der Rucksack ist den du trägst. Ein leichter Stock wie der Fizan ist auch eher für leichte Ausrüstung vorteilhaft.
      Viel Spass am GR221!

      27. April 2013 at 05:50

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